Marco Heurich
 

„Wolf, Luch und Bär in der Kulturlandschaft“

 

 

Ulmer-Verlag, Stuttgart 2019, 287 Seiten,

€ 34.95

Die Großen Drei


Ein hilfreiches Buch über Wolf, Luchs und Bär in der Kulturlandschaft
Von Eckhard Fuhr

 

Es gibt kaum ein naturpolitisches Thema, über das so emotional gestritten wird wie die Rückkehr der großen Beutegreifer Wolf, Luchs und Braunbär in die mitteleuropäische Kulturlandschaft. Nüchterne Wissenschaft und pragmatisches politisches und administratives Handeln haben es dabei oft schwer, Gehör und Akzeptanz zu finden. Sie müssen sich immer wieder durchsetzen gegen die angstbesetzte Dämonisierung wie gegen die wildnisromantische Verklärung dieser drei charismatischen Arten, die in ihren alten angestammten Lebensräumen auf Verhältnisse treffen, die sich fundamental von denen unterscheiden, aus denen sie vor 150 bis 200 Jahren verdrängt worden waren. Sowohl naturräumlich als auch gesellschaftlich haben sich diese Verhältnisse zu ihren Gunsten entwickelt. Zunahme der Waldflächen, explosionsartige Vermehrung der Schalenwildbestände und ein nicht mehr „bäuerliches“ Naturverständnis einer urbanisierten Gesellschaft bilden die Voraussetzungen dafür, dass man sich im dicht besiedelten Mitteleuropa überhaupt um das Management großer Beutegreifer kümmern kann und muss.


Dass das kein Randthema, kein Steckenpferd von Naturschutzidalisten ist, das ist in der Politik auf allen Ebenen bis hinauf zu Bundestag und Bundesregierung inzwischen angekommen. Viele Akteure in Parteien, in Regierungen, in Behörden und in der Zivilgesellschaft  sind daran beteiligt, die mit den neuen Nachbarn entstehenden Konflikte zu moderieren, Daten zu sammeln, Erfahrungswissen auszutauschen und nach Lösungswegen zu suchen. Für sie alle sollte der von Marco Heurich in der „Praxisbibliothek Naturschutz und Landschaftsplanung“ des Ulmer Verlages herausgegebene Band „Wolf, Luchs und Bär in der Kulturlandschaft. Konflikte, Chancen, Lösungen im Umgan mit großen Beutegreifern“ Pflichtlektüre sein. Heurich führt nicht zuletzt mit der Auswahl seiner Autoren vor, dass modernes Wildtiermanagement sich zwingend sowohl auf naturwissenschaftliche als auch auf sozialwissenschaftliche Expertise stützen muss, denn im Mensch-Wildtier-Verhältnis sind die Biologie einer Art wie auch ihr „soziokulturelles Gepäck“ gleichermaßen von Bedeutung.


Der erste Teil des reich bebilderten und mit zahlreichen Infografiken ausgestatteten Bandes ist der Biologie, dem Verhalten und der Ökologie von Wolf, Luchs und Bär gewidmet. Von Ulrich Wotschikowsky (Wolf), Michaela Skuban (Bär) und Heurich selbst (Luchs) bekommt der Leser einen konzentrierten und aktuellen Überblick aus der Feder anerkannter Experten wie er so bisher nicht zu finden war. Der zweite Teil fächert das Thema „Management“ in alle seinen Facetten auf. Es werden die Konfliktfelder Nutztierhaltung, Jagd und öffentliche Sicherheit ebenso behandelt wie die naturschutzrechtliche Situation in Deutschland und Europa und die administrative Struktur des Managements in den einzelnen Ländern. Ulrich Schraml zeigt in seinem Beitrag „Wildtiermanagement für Menschen“ eindrucksvoll, wie fruchtbar die Anwendung sozialwissenschaftlicher Methoden auf diesem Feld sein kann.


Weder die Rückkehr der großen Beutegreifer noch unser Wissen über ihre Voraussetzungen und Folgen sind abgeschlossen. Täglich lernen wir dazu. Ein Buch kann nur eine Momentaufnahme liefern, wenn auch, wie in diesem Fall, eine mit großer Tiefenschärfe. Auf der Internetseite der Praxisbibliothek für Naturschutz und Landschaftsplanung (www.nul-online.de) kann man aber unter dem Webcode NuL4059 das jeweils Neueste erfahren.

Eckhard Fuhr