Christian Schwägerl
Menschenzeit – Zerstören oder gestalten?
-Wie wir heute die Welt von morgen erschaffen-

Goldmann-Verlag, München 2012, 382 Seiten, € 9.99

Der Autorbeschäftigt sich intensiv mit der dem Thema „Menschenzeit“ oder „Anthropozän“, also einer neuen geologischen Epoche, welche durch menschliche Aktivitäten ausgelöst wurde.  Es gibt jetzt keinen Ort auf der Eroberfläche ohne menschliche Spuren, auch im Eis der Antarktis und der Tiefsee sind sie nachgewiesen. Die Veränderung der Erdoberfläche durch den Menschen übertrifft die natürliche Erosion, Anschwemmung, Vulkanismus oder Erdbeben und daher ist es gerechtfertigt von einem neuen Erdzeitalter zu sprechen.

Wenn also Menschen die Erde derart verändern, dann müssen sie auch die Verantwortung dafür übernehmen. Dieses Bewusstsein einer Verantwortung ist noch wenig ausgeprägt, sonst würden die Menschen ihren Lebensraum, sie haben nur diesen, nicht zerstören, vergiften und mit Müll belasten.

Der Autor beschäftigt sich ausgiebig mit der Frage, wie der Jahrtausende alte Dualismus: Hier Mensch dort Natur, hier Geist dort Materie überwunden werden kann, da es diesen Unterschied nicht gibt und alles aus gleichem Stamme ist. Gerade die Menschen der westlichen Welt sind im wahrsten Sinne des Wortes „Weltbürger“, man sollte sich vorstellen, woher die Atome unserer Körper, die mit der Nahrung aufgenommen wurden, stammen. Ziemlich sicher ist da wirklich die ganze Erde vertreten.
Bereits vor 200 Jahren sprach Alexander von Humboldt, jenseits aller Esoterik und Gaia - Mystik, ganz sachlich und real vom „Weltorganismus“ und meinte dies auch so.

Auch wenn der Autor auf viele Fehlentwicklungen hinweist, ist es kein Buch der Apokalypse, sondern das Gegenteil. Der Autor ist offenbar fest davon überzeugt, dass es uns Menschen gelingt, eine langfristige Kultur und Technik zu entwickeln die im Einklang mit der Umwelt lebt und wirtschaftet. Der Autor legt dabei das Schwergewicht auf eine umfassende Bildung und fordert ein Wachstum der Bildung statt eines der Dinge. Interessanterweise gibt es einen Hinweis des Autors auf eine Ausbildung von Jugendlichen mit Jagd und dem Töten von Tieren, damit Fleisch bewusst konsumiert wird.

Der Autor prägt dabei das eindringliche Bild eines „Weltgärtners“, der seinen „Weltgarten“ pflegt und nutzt, seine Verschlechterung und Zerstörung würde ja auch ihm die Lebensgrundlage entziehen.

Diese Vorstellungen klingen zunächst utopisch, aber der Autor untermauert sie mit vielen bereits bestehenden Aktivitäten von Personen, Gruppen und Unternehmen, welche sich bereits erfolgreich auf diesen Weg begeben haben. Er zeigt auch viele Wege auf, wie es jedem Einzelnen möglich ist, sein Verhalten zu verändern.

Der Autor legt hier ein hochinteressantes, fakten- und ideenreiches Buch vor, welches man langsam und gründlich lesen muss, dass aber viel Lust auf Zukunft verströmt.

 

Jürgen Rosemund