Eckhard Fuhr

Die Rückkehr der Wölfe

- Wie ein Heimkehrer unser Leben verändert -

 
Riemann-Verlag 2014

224 Seiten, 19,99 Euro

Noch ein Buch über Wölfe könnte man stöhnen, da die Zahl der Bücher, Broschüren, Filme etc. vermutlich die Zahl der Wölfe in Deutschland übersteigt.


Aber Eckhard Fuhr ist hier ein besonderes Buch zum Thema Wölfe gelungen. Sachlich nüchtern fasst er die aktuelle Situation der Wölfe in Deutschland zusammen, besonders interessant ist aber sein Blick auf die Koevolution von Mensch und Wolf/Hund. Mit der Zähmung des Wolfes zum Hund greift der Mensch zum ersten Mal aktiv in das Naturgeschehen ein und verändert es. Der zum Hund verwandelte Wolf ist bei weitem das älteste Haustier des Menschen und wurde vom Menschen so unterschiedlich gezüchtet wie kein anderes Haustier. Unterschiede wie zwischen z.B. Pekinese und Deutscher Dogge gibt es bei einer Tierart sonst nicht.

Eckhard Fuhr findet auch viele Ähnlichkeiten im Sozialverhalten zwischen Mensch und Wolf, die man gut nachvollziehen kann. Interessant ist auch sein Blick auf Wildnis, Naturschutz und Wölfe. Wenn der Wolf, das Symboltier für Wildnis, sich jetzt munter in der Kulturlandschaft Deutschlands ausbreitet und offenbar gut mit ihr zurecht kommt, was ist dann noch Wildnis? Ist Berlin, deren Grenzen bereits Wölfe überschritten haben, jetzt eine Wildnisstadt? Gerade im Licht der Ausbreitung der Wölfe müssen viele Fragen des Naturschutzes neu überdacht werden. Insofern stimmt der Untertitel des Buchs.

Wie immer schreibt Eckhard Fuhr locker, prägnant und auch humorvoll und so ist das Buch, auch bei der Fülle der Informationen, ein wirklicher Lesegenuss.

 

Jürgen Rosemund