Schweden als Vorbild? Treffen des AK Wolf in Müncheberg

 

Nach den Treffen des Arbeitskreises Wolf im vergangenen Jahr in Groß Schönebeck (Besichtigung des damals im Bau befindlichen Wolfs-informationszentrums im Wildpark Schorfheide) und in Eberswalde (Vortrag von Frank-Uwe Michler über Telemetriestudien zu Wolf und Rotwild) kamen wir zum Auftakt des neuen Jahres am 28. Januar im Leibniz-Zentrum für Agrarlandforschung (ZALF) in Müncheberg zusammen. Hannes König leitet dort eine Gruppe junger Wissenschaftler, die Landnutzungskonflikte mit Wildtieren untersuchen. Ein großer Seminarraum des ZALF bot den idealen Rahmen für einen intensiven Gedankenaustausch, zu dem sich nicht nur Mitglieder des Arbeitskreises, sondern zahlreiche Gäste eingefunden hatten – Mitarbeiter des ZALF, Vertreter der Forst- und Naturschutzbehörden, Schäfer und Landwirte aus der Region, hauptamtliche und ehrenamtliche Wolfsbeauftragte und viele mehr. Auch ein Team des niederländischen Fernsehens nutzte die Gelegenheit, Informationen und Meinungen zum Umgang mit dem Wolf in Deutschland einzuholen.

 

Elena Wenz stellte ihr Dissertationsprojekt vor, eine tiefgehende statistische Analyse zu Wolfsverbreitung und Nutztierschäden in Brandenburg. Mike Plaschke präsentierte Ergebnisse seiner Masterarbeit über die Nutzung von Grünbrücken durch Wölfe. Hauptthema des Abends war das schwedische Wolfsmanagement mit Lizenz- und Schutzjagd und die Frage, ob das schwedische Beispiel geeignet sein könnte, auch bei uns Konflikte um den Rückkehrer Wolf zu entschärfen. Im politischen Raum wächst der Druck, den Rechtsrahmen zu öffnen, um über Einzelfallentscheidungen hinaus Eingriffe in die Wolfspopulation möglich zu machen. Die Befürworter eines solchen Bestandsmanagements berufen sich alle auf das schwedische Modell.

 

Peter Peuker, ehrenamtlicher Wolfsberater und aus eigener Anschauung genauer Kenner der skandinavischen Wildlife-Verhältnisse, hatte zu diesem Thema eine detaillierte Präsentation vorbereitet. Es würde hier zu weit führen, seinen Vortrag im Einzelnen zu referieren. Er wird ihn auf seiner Internetseite „amaroktv.de“ zugänglich machen. Einige Ergebnisse lassen sich jedoch festhalten.

 

In Schweden ist es als politisches Ziel gesetzt, eine Wolfspopulation von 300 Individuen in einem mittelschwedischen Verbreitungsgebiet zu erhalten. Der genetische Austausch mit karelischen Wanderwölfen soll gewährleistet sein, gleichzeitig aber die Rentierregion, praktisch die nördliche Hälfte des Staatsgebietes, wolfsfrei gehalten werden. Durch Lizenzjagd gelingt es, die willkürlich gesetzte Obergrenze von 300 Individuen durchzusetzen. In diesem Jahr ist die Jagd ausgesetzt, weil es keinen Überschuss abzuschöpfen gibt. Schutzjagden finden im Rentiergebiet statt, sobald sich dort ein Wolf bemerkbar macht. Es wird von Behördenvertretern auch vom Hubschrauber aus gejagt. In den sonstigen Gebieten können Schutzjagden bei den Landesverwaltungen beantragt werden. Nutztierschäden spielen als Grund dafür eine geringe Rolle. Das schärfste Konfliktpotential bieten in Schweden Wolfsangriffe auf Jagdhunde.

 

Außer der zahlenmäßigen Begrenzung und räumlichen Beschränkung der Wolfspopulation erreicht das schwedische Wolfsjagdsystem keines der gesteckten Ziele. Der genetische Austausch ist nicht gewährleistet. Die Akzeptanz des Wolfes in der ländlichen Bevölkerung und insbesondere bei den Jägern nimmt weiter ab, die illegalen Abschüsse nehmen zu. Von einer Entschärfung der Konflikte ist man in Schweden trotz der Möglichkeiten legaler Wolfsjagd weiter entfernt denn je. Im Übrigen ist es immer noch offen, ob das schwedische Wolfsmanagement, insbesondere die Lizenzjagd, mit europäischem Recht zu vereinbaren ist.

 

Der Vortrag von Peter Peuker hat wieder einmal gezeigt, wie wichtig nüchterner Realismus in der politischen Auseinandersetzung um den Wolf ist. Das schließt auch Skepsis gegenüber eifrig propagierten angeblichen Patentlösungen ein. An Peter noch einmal ein ganz herzlicher Dank für seinen substantiellen Beitrag. 

 

Eckhard Fuhr 

Leiter des AK Wolf